Heft 76
„Friede muss gewagt werden“

Inhalt
I. Zur Erinnerung: Mahnungen zum Frieden in einem Jahrhundert der Katastrophen
KARLHEINZ LIPP
Evangelische Friedensaufrufe von 1913 aus Deutschland und Frankreich
REINHARD MÜLLER
„80 Jahre danach“: Markante Worte von Bonhoeffer zu Frieden und verantwortlichem Widerstand.
MARTIN NIE MÖLLE R
Gibt uns die Bundeswehr Sicherheit? (1957)
II. Dokumentation: Stellungnahmen zu den gegenwärtigen Kriegen
GEISTLICHE UND LAIEN DER RUSSISCH -ORTHODOXENKIRCHE
„Christus und dem Evangelium treu bleiben“ (30.1.2025)
UWE-KARSTEN PLISCH
Schreiben an den Rat der EKD (1.4.2025)
REIN HARDMÜLLER
„Angst vor Krieg: Die Deutschen in der Zeitenwende“ (Offener Brief vom 7.4.2025)
PRO PEACE
Aufruf für eine Zwei-Staaten-Lösung (13.6. / 30.7.2025)
REFORM MOVEMENT
Stellungnahme zum Hunger in Gaza (27.7.2025)
ORTHODOXE RABBINER
Erklärung gegen Hunger in Gaza (25.8.2025)
VORSTAND DER BONHOEFFER-NIEMÖLLER-STIFTUNG
Menschen in Not in Palästina und Israel (2.10.2025)
III. Zur Denkschrift „Welt in Unordnung“ der EKD
UWE-KARSTEN PLISCH
Rezension zur neuen Friedensdenkschrift der EKD (10.11.2025)
VORSTAND DER BONHOEFFER-NIEMÖLLER-STIFTUNG
Stellungnahme zur neuen Friedensdenkschrift der EKD (10.11.2025)
IV. Nachrufe
DEUTSCHER KOORDINIERUNGSRA DER GESELLSCHAFTEN FÜR CHRISTLICH-JÜDISCHE ZUSAMMENARBEIT
Im Gedenken an Micha Brumlik
LERNORT GARNISONKIRCHE
In Trauer um Micha Brumlik
V. Tagungsankündigung
Friedensethische Tagung in Erfurt, 1.– 3.5.2026
Editorial
Liebe Leserinnen und Leser,
„Friede muss gewagt werden“ – diesen oft zitierten, aber nur selten beherzigten Satz Dietrich Bonhoeffers aus seiner Friedensrede auf der dänischen Insel Fanø im August 1934 habe ich als Motto für Heft 76 der Verantwortung gewählt. Karlheinz Lipp erinnert daran, wie deutsche und französische Friedenspfarrer vor dem Ersten Weltkrieg den Einsatz für einen evangelisch begründeten Pazifismus gewagt haben. Reinhard Müller erinnert an Bonhoeffers Wagnis, sich als Pazifist an der Verschwörung zum Umsturz des Nazi-Regimes zu beteiligen. Und aus aktuellem Anlass soll Martin Niemöller mit einer Rede aus dem Jahr 1957 zu Wort kommen, in der er es wagt, den Glauben an die Bundeswehr in Frage zu stellen.
Es ist momentan nicht absehbar, wie sich die humanitäre Lage im Gazastreifen und die Bemühungen um eine Beendigung des Krieges Russlands gegen die Ukraine in naher Zukunft entwickeln werden. Gelegentlich aufflackernden Hoffnungen auf Frieden steht die Angst vor einem Rückfall in militärische „Lösungen“ gegenüber. Im Sinne der Herstellung einer Gegenöffentlichkeit dokumentieren wir gleichwohl Äußerungen aus der russisch-orthodoxen Kirche, von jüdischen Rabbinerinnen und Rabbinern und aus unserem Verein, die die Hoffnung auf Frieden stärken wollen. Sollten manche dieser Stellungnahmen bei Auslieferung des Heftes bereits überholt erscheinen, wäre dies ein Hoffnungszeichen. Ein Zeichen der Mutlosigkeit hat jedoch die Evangelische Kirche in Deutschland mit ihrer neuen Denkschrift „Welt in Unordnung“ gesetzt. Sie fällt damit hinter ihre bisherigen friedensethischen Positionen zurück, wie die hier dokumentierten kritischen Stellungnahmen aus unserem Vorstand belegen.
Es bleibt eine bittere Ironie der gegenwärtigen weltpolitischen Konstellation, dass ausgerechnet der zunehmend autoritär regierende Präsident der USA, dem kein verantwortlich Denkender über den Weg traut, Bewegung in die verhärteten Fronten zu bringen scheint. Ist dies ein Beispiel für die von Bonhoeffer beschriebene „Maskerade des Bösen“, in der „das Böse in der Gestalt des Lichts“ und „des geschichtlich Notwendigen“ erscheint? Oder bewährt sich hier sein Glaubenssatz, „daß Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will“? Gilt noch Karl Barths Überzeugung: „Es wird regiert“?
Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen
Ihr Andreas Pangritz
